Alte Aufnahme des Theaters Reichenau
© zur Verfügung gestellt von der Gemeinde Reichenau

100 Jahre Theater Reichenau

Text von MMag. Friederike Grießler, Dr. Karin Sedlak

Bereits im 19. Jahrhundert gab es in Reichenau zahlreiche kulturelle Aktivitäten. Neben Kurkonzerten, Festen und Sportmöglichkeiten sollten sie vor allem eine Attraktion für die wohlhabende Sommergesellschaft sein. Federführend waren dabei der Gesang- und Orchesterverein Reichenau sowie die Thalhofwirtin Olga Waissnix. Schon 1874 spielte in der Villa Wartholz die Familie von Erzherzog Carl Ludwig im privaten Rahmen Theater. Die frühen Theaterinitiativen – etwa das „Thalhof-Festspiel“ 1886, verfasst von Arthur Schnitzler, sowie verschiedene Aufführungen des Gesang- und Orchestervereins – führten dazu, dass die Gemeinde Reichenau 1922, das seit Jahren nicht mehr industriell genutzte Gebäude der im späten 19. Jhdt. errichteten Holzschleiferei der Unternehmerfamilie Waissnix erwarb und zum heutigen Theater- und Konzerthaus umbauen ließ.

1926, 1. August

Das neue Theater wird unter der Mitwirkung des Gesang- und Orchestervereins Reichenau mit Johann Strauss’ Operette Die Fledermaus (Ensemble Hans Stilp) feierlich eröffnet. Zahlreiche Festgäste besuchen die Premiere. Der Theatersaal wird zudem als Stummfilmkino genutzt und bietet ein ambitioniertes Programm. In den Folgejahren gastieren neben Hans Stilp und seiner Truppe auch andere renommierte Ensembles wie das „Kabarett Hölle“ und das Wiener Burgtheater in Reichenau. Auf dem Spielplan stehen vor allem Operetten, Schwänke, Singspiele und Klassiker. Ab 1931 verdrängt das Tonkino allerdings das Theater fast vollständig.

1939–1945

Während des Zweiten Weltkriegs wird der Saal vor allem für Kinovorführungen genutzt. Ab und an gibt es zusätzlich „bunte Orchesterabende“, Gastspiele der „Gaubühne Niederdonau“ und vereinzelt „Abende deutscher Hausmusik“.

1945 - 1955

In der Besatzungszeit finden wieder vermehrt Konzerte und Theaterabende bedeutender Bühnen statt – darunter u. a. Aufführungen des Raimund Theaters, der Wiener Volksoper und Vorstellungen zugunsten der „Heimkehrerhilfe“. Historisch dokumentiert sind außerdem auch Gastspiele der Bühne Baden.

1957 - 1995

Im Theater ist das „Bergbau- und Heimatmuseum“ untergebracht.

Neue Theaterimpulse ab 1972

Ab 1972 wird das „Kurtheater Reichenau“ im Sommer regelmäßig vom „Niederösterreichischen Kammerschauspiel“ unter der Intendanz von Erich Koller mit Operetten und Schwänken bespielt. 1981 erfolgt die Gründung des „Kulturvereins Reichenau“ und es kommt zu ersten Aufführungen im Thalhof.

1988 - Gründung der Festspiele Reichenau

Gründung der Festspiele Reichenau durch Renate und Peter Loidolt. Das Programm wird stetig erweitert und um neue Spielstätten bereichert (u. a. das Südbahnhotel).
In Kooperation mit dem Land Niederösterreich und der Marktgemeinde Reichenau werden zahlreiche bauliche Verbesserungen und technische Modernisierungen vorgenommen (u. a. die Renovierung des Schnürbodens und die Neugestaltung des Zuschauerraums). 2005 erfolgt die Eröffnung des Neuen Spielraums. 

2021

Gründung der Theater Reichenau GmbH. Seit 2022 liegen die künstlerischen Geschicke der Festspiele Reichenau in den bewährten Händen von Kammerschauspielerin Maria Happel und ihrem Team. 

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