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Die Legende vom heiligen Trinker

Das Roth-Trilogie-Finale zum Jubiläum
Legende vom heiligen Trinker/Besetzung

Das Roth-Trilogie-Finale zum Jubiläum

„Die Legende vom Heiligen Trinker“ komplettiert in der diesjährigen Jubiläumssaison der Festspiele Reichenau eine Joseph Roth-Trilogie, die vor drei Jahren mit der „Kapuzinergruft“ ihren Beginn fand. 

Erneut widmet sich Regisseurin Alexandra Liedtke dem Werk des österreichischen Schriftstellers. Nach dem berührenden Schicksalsstück „Hiob“ im Vorjahr steht nun ein vergessenes Kleinod auf dem Programm. Gemeinsam mit Joseph Lorenz in der Hauptrolle des Trinkers Andreas, David Oberkogler, Oliver Urbanski und Julienne Pfeil begeben wir uns diesmal ins Paris der frühen 30er.

1939 erschien „Die Legende vom heiligen Trinker“ posthum. In nur achtzig Seiten schildert Joseph Roth die Essenz eines ganzen Lebens – präzise, abgeklärt und humorvoll. Die Erzählung ist eines der persönlichsten und gewagtesten Werke des Autors, handelt es sich dabei auch um eine Art Selbstbeobachtung seines eigenen Gespalten-seins. 

Unter einer Brücke an der Seine verweilt Andreas als gescheiterte Existenz

Durch eine geheimnisvolle Begegnung mit einem fremden Mann eröffnet sich die Möglichkeit eines Neuanfangs. Doch wie geht man damit um, wenn einen das Glück so plötzlich überfällt? 

Um sich als ehrenhaft zu beweisen, soll der gutmütige Stadtstreicher das Geld in eine Kapelle bringen, um es der heiligen Therese von Lisieux zu widmen. Andreas treibt es durch die Straßen von Paris, das Leben will fließen und gefeiert werden.

Ein Gläschen für den Weg wird doch nicht schaden…

Auf seinem Parcours durch die Zeit folgt ein Wunder auf das nächste. Oliver Urbanski untermalt dabei mit seiner Musik das Geschehen und Joseph Roths feine Poesie. 

Andreas wundersame Reise ist letztlich auch eine Reise zu uns selbst. Vorbei an Wunden der Vergangenheit, Abgründen der Gegenwart und Ängsten der Zukunft werden wir mit unserem Spiegel konfrontiert. Aus einem berührenden Einzelschicksal heraus, stellt sich die Frage nach dem Schicksalhaften unseres eigenen Lebens. Roths Sprache balanciert dabei klug zwischen Tragik, Leichtigkeit und Hoffnung. Er erwärmt unser Herz für diesen vermeintlich naiven Clochard und tröstet uns, in dem er die Widersprüchlichkeit unserer Existenz aufzeigt.

Joseph Roths „Legende vom Heiligen Trinker“ wurde schlussendlich sein „Testament“. Der Spiegel seines Lebens, nahm seinen baldigen Tod vorweg. So fügt sich ein Schicksal in das eines anderen und Fiktion und Wirklichkeit verwischen an den Ufern der Seine und in uns. 

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